Die Iberische Smaragdeidechse (Lacerta schreiberi) Bedriaga, 1878

Lacerta schreiberi - eigenes NZ - Männchen von 2005 im März 2010
L. schreiberi ist ein Lokalendimit der Iberischen Halbinsel. Die Tiere erreichen Gesamtlängen bis zu 40cm. Die Färbung ist sehr variabel und reicht von brauner über ocker, blaugüner bis zu leuchtend hellgrüner Grundfarbe mit unterschiedlich großen schwarzen Flecken. Adulte Männchen haben - besonders intensiv im Frühjahr - blau gefärbte Köpfe.
Die Art lebt in Buschland, an Waldrändern und Feuchtwiesen und findet sich häufig entlang von Gewässern. Im nördlichen, geschlossenen Verbreitungsgebebiet ist die Art nicht selten. Sie ist allerdings einigermaßen empfindlich gegenüber Veränderungen des Habitats und die Populationen an der südlichen Verbreitungsgrenze sind sehr klein und stark gefährdet. L. schreiberi lebt im Gebirge bis zu Höhen von 2.100 m, ist häufig in Gewässernähe zu beobachten und schwimmt auch in Bächen. Verbreitungskarte aus : http://www.vertebradosibericos.org/reptiles/lacsch.html

Nach einer Richtlinie für Mindestanforderung ist für die paarweise Haltung ein Terrarium mit den Mindestmaßen 80x50x50 cm erforderlich. Für jedes weitere Tier einer Gruppe werden 20% aufgeschlagen. In Standardterrarien von 100x50x50 cm lässt sich eine Gruppe mit 1 männlichen und 2 weiblichen Tieren aber halten. – Größer ist natürlich immer besser... Da es sich um eine Gebirgseidechse kühlerer Lebensräume handelt, werden Kühlstrukturen im Terrarium wie größere Wasserbecken und Bepflanzung dringend empfohlen. L. schreiberi eignet sich in unseren Breiten auch für eine Haltung im Freilandterrarium.
Haltungsbedingungen bei uns
Die Tiere werden bei uns in der Wohnung in verschiedenen -Terrarien zu Gruppen von 1,2 oder Paarweise gehalten. Augenblicklich haben wir 4 Zuchtgruppen. Unsere Tiere weisen Gesamtlängen zwischen 32cm und 35cm - mit Originalschwänzen - auf. Ein Tier hat ein Regenerat-Schwanz, der nicht die Originallänge erreicht.
Die Becken entstammen dem Eigenbau und haben strukturierte Rückwände, an denen die Tiere auch gern klettern. Es sind jeweils Steine an den Rückwänden, auf denen die Eidechsen liegen. Überhaupt ist einigermaßen häufig zu beobachten, dass die Tiere erhöhte Sitzpositionen innehaben. So befinden sich auch Baumstämme in den Terrarien, die sowohl horizontale als auch vertikale Positionen haben und die ebenfalls gern genutzt werden. Außerdem große Wasserschalen, die die Eidechsen gerade an heissen Sommertagen gern durchwandern um sich abzukühlen. Außerdem befinden sich Pflanztöpfe mit Efeu und anderen echten Pflanzen in den Becken. Bei hohen Temperaturen sitzen die Eidechsen häufig direkt unter den Pflanzen. Darüber hinaus befinden sich ca. 8 cm hohe Eiablageboxen mit feuchtem Sand in den Becken. Nachdem herauskam, dass die "schreiberis" gegen Hitze empfindlich sind, beliess ich diese Boxen in den Terrarien. - Das war offensichtlich eine Gute Idee und die Tiere nutzen auch diese Kühlstruktur bei heißem Wetter.
Die Terrarien sind als Waldrandsituation eingerichtet. Zahlreiche Äste, Korkrinden- und Röhren sorgen neben den Pflanztöpfen für diese Atmosphäre. Als Untergrund habe ich Sand gewählt, was dem Trieb der Tiere, gelegentlichen Grabaktivitäten nachzugehen, gerecht wird. Die steinernen Rückwände komplettieren die reichlich genutzten Kletterstrukturen
Blick ins Terrarium
Als Beleuchtung dienen 30 Watt Arcadia D3 Leuchtstoffröhren, welche direkt in den Terrarien montiert sind. Die Belichtungszeit wird im März mit ca. 8 Stunden begonnen. Zu diesem Zeitpunkt werden die Sonnenplätze, die mit 40Watt Strahlern eingerichtet sind, noch nicht täglich und anfangs nur stundenweise zugeschaltet. Die Belichtungszeiten werden dann Schrittweise bis Juli auf etwa 14 Stunden erhöht und später ebenso wieder heruntergefahren.
L. schreiberi Weibchen
Als Futter wird alles an Insekten und Spinnen genommen, was die Tiere bewältigen können. Ich füttere zumeist Grillen. Als Nebenfutter füttern wir gelegentkich Rosenkäferengerlinge, Zophobas und Mehlwürmer. Im Sommer fangen wir überwiegend Heuschrecken und Spinnen, wobei wir stets darauf achten, dass wir die Bestände der Quellflächen nicht gefährden und auch keine bedrohten und geschützten Arten verfüttern. Pflanzliche Nahrung haben die "Schreiberis" bei mir noch niemals angenommen, obwohl ich bereits einiges angeboten habe, was von den "Biliniatas" sehr wohl gefressen wird.
Überwinterung
Die Eidechsen stellen zumeist Ende Oktober bei ca. 9 - 10-stündiger Belichtungszeit die Nahrungsaufnahme ein. nach 10 Tagen überführe ich die Tiere in Überwinterungsboxen mit feuchtem Sand, in denen die Tiere sich alsbald vergraben. Wenn in den Boxen Ruhe eingekehrt ist werden sie im Kühlschrank bei etwa 5°C untergebracht. - Es ist dann mittlewrweile November. Werden die Tiere nicht selbstständig aktiv, was auf schlechte Kondition oder Krankheit hinweist, entnehme ich sie erst Ende März wieder. Bei Anzeichen von Aktivität wird die Winterruhe abgebrochen.
Jungtiere fressen länger und bleiben länger aktiv. Diese werden erst zur Weihnachtszeit eingewintert und bereits Ende Januar oder Anfang Februar wieder ausgewintert.
Der Überwinterungskühlschrank wird mindestens wöchentlich kontrolliert.
Haltungsbericht und Zucht
Nachdem ich die Tiere von Bildern kannte, erwarb ich im Jahr 2003 gemeinsam mit einem Freund 6 Exemplare der Art. Jeder von uns nahm 3 Tiere. Wir zogen die gut wachsenden Tiere jeweils in 80cm bzw. 100 cm Standardterrarien auf. 2004 stellte sich heraus, dass mein Freund ein Geschlechterverhältnis 2,1 und ich 0,3 erwischt hatten. Also tauschten wir: Er bekam eines meiner Weibchen und ich (leider) das kleinere seiner Männchen. Zunächst hielt ich die frisch erworbenen Jungtiere 2003 inmitten der Wohnung. Bei den hohen Temperaturen und der fehlenden Nachtabsenkung der Temperaturen, stellten die Tiere die Nahrungsaufnahme ein und bewegten sich kaum noch. Erst nach einem Wohnungswechsel und einem Standort in einem Raum, der mir ein dauernd geöffnetes Fenster erlaubt, besserte sich das merklich. Wir erwarben die Jungen im September. Für die reichlich fortgeschrittene Jahreszeit waren diese Exemplare ausgesprochen klein, was aber für Freilandbruten wohl als normaler Zustand angesehen werden muss. Nach den o. g. anfänglichen Schwierigkeiten wuchsen die Kleinen jedoch gut.
Meine Tiere überwintere ich stets im Kühlschrank. Mein Freund, der eigentlich eher Amphibienhalter ist, entschied sich für eine Überwinterung im Freiland. Im Januar 2005 gab es allerdings bereits Temperaturen von 16°C und der anschließende Frost raffte 2 seiner Tiere dahin. - Es überlebte allerdings das Weibchen, das er von mir bekommen hatte, welches er mir zurückgab, da er zu diesem Zeitpunkt keinen neuen Versuch mit der Art starten wollte. Eben dieses Weibchen legte 2005 die einzigen befruchteten Eier des Jahrgangs, aus denen bereits nach 56 Tagen Inkubationszeit 4 Junge schlüpften. Alle anderen Eier von L. schreiberi waren 2005 unbefruchtet.
Der ursprüngliche Brutkasten bestand aus einem handelüblichen 60cm-Terrarium, welches zur Dämmung mit 25mm-Styroporplatten verkleidet war. Im inneren sorgte eine annähernd formatfüllende, wassergefüllte und mit Regelheizer bestückte Kunststoffbox für die nötigen Temperaturen und Luftfeuchte. Der Regelheizer ist an die Zeitschaltuhr der Terrarienbeleuchtung gekoppelt, so gab es auch im Brutkasten eine Nachtabsenkung der Temperaturen. Die Tagestemperatur waren hier auf 28-29°C eingestellt. Nachts sanken die Temperaturen entsprechend der Raumtemperatur auf Werte zwischen 20 - 25°C. Neuerdings haben wir eine Herp-Nursary II von Lucky Reptile.
Ich machte allerdings 2005 den folgeschweren Fehler die Babys mit denen von L. bilineata zu vergesellschaften. Es gab zwar keine direkten Kampfhandlungen, allerdings stressten die deutlich kräftiger gebauten L. schreiberi die L. bilineata dermaßen, dass es in der Folge zu Nekrosen und Darmerkrankungen kam. Das Ergebnis dieses Versuchs waren 5 tote L. bilineata und 2 L. schreiberi. – Ein herber Verlust. Die verbliebenen 2 Jungen stellten sich als Geschlechterverhältnis 1,1 heraus. Diese wuchsen rasant und waren bereits vor der ersten Überwinterung im Dezember 2005 ca. 28 cm lang. Bereits nach der ersten 6-wöchigen Überwinterung der beiden konnte ich eine Paarung beobachten.

Lacerta schreiberi - Nachzuchtmännchen von 2005 im Mai 2006
Man kann eine Art Sommerruhe beobachten. In warmen Zeiten im Sommer sinkt der Stoffwechsel meiner Lacerta schreiberi deutlich ab. In der Paarungszeit im Frühjahr fressen die Eidechsen teilweise täglich mehrere große Futtertiere. Wird es wärmer, suchen die Tiere auch nicht mehr so intensiv ihre Sonnenplätze auf. Sie sitzen dann deutlich neben dem Hauptstrahlungskegel, fressen weniger und sind auch weniger aktiv. Den Männchen fällt förmlich innerhalb weniger Tage die Farbe aus dem Gesicht.

Männchen zur Paarungszeit im März 2007 und ... ... das selbe Tier 6 Wochen Später im Mai 2007
Mit steigenden Belichtungszeiten und Temperaturen fressen die adulten Tiere teilweise nur noch 1 Futtertier in der Woche oder gar weniger. Man sieht die Tiere in dieser Phase kaum. Werden die Temperaturen im Herbst kühler und die Belichtungszeit kürzer, werden die „Schreiberis“ wieder aktiver, fressen regelmäßig, häuten sich auch noch einmal und bekommen lebhaftere Farben.
2007
Ich entschloss mich dieses Jahr die Überwinterung bereits Ende Februar zu beenden. Dadurch sollte es möglich sein eine ausgeprägte Nachtabsenkung der Temperaturen im Terrarienraum zu bewerkstelligen. Tatsächlich erwachte das Männchen zuerst. Ich entschied vorzugehen wie bei den L. bilineata, mit denen ich seit 2002 erfolgreich züchtete. Also stellte ich die Mädels noch einmal in den Kühlschrank, während das Männchen in eines der 100cm – Terrarien überführt wurde, wo er nach 14 Tagen mit der üblichen Frühjahrshäutung begann.
Paar im März 2007
Zu eben diesem Zeitpunkt entnahm ich die Überwinterungsboxen mit den Weibchen wieder dem Kühlschrank. Es dauerte jedoch eine geschlagene Woche bis das erste Weibchen erschien. Bald nach deren Einsetzen ins Terrarium des Männchens begannen heftige Paarungsaktivitäten. Nach und nach erschienen die übrigen 3 Weibchen in etwa 7-tägigen Abständen. Das Männchen wechselte in mehrtägigen Abständen zwischen den mit jeweils 2 Weibchen besetzten 100cm-Terrarien.
Paarungen konnten mit 2 Weibchen beobachtet werden. Diese sind wohl seine Lieblinge gewesen und waren am Ende der Paarungszeit sehr von Paarungsbissen vernarbt. Allerdings wiesen auch die beiden anderen Weibchen leichte Spuren solcher Paarungsbisse auf.
Paarung im März 2007
Und dieses Jahr hat es dann tatsächlich von allen 4 Weibchen Jungtiere gegeben. Hier einige der Ergebnisse:


Nach nunmehr gelungener planmäßiger Zucht im Zimmerterrarium bin ich mir sicher eine funktionierende Terrarienpopulation etablieren zu können.
Umzug 2008
Im September 2007 zogen wir um. Die Terrarien sind nun in einem eigens eingerichteten Hobbykeller in einem Souterrain untergebracht. Auch hier läßt sich ein dauerhaft geöffnetes Fenster, auch wenn es sehr viel kleiner ist, realisieren. Allerdings kamen neue Terrarien hinzu. Insbesondere der Betrieb von Wüstenbecken für Uromastyx und Varanus tristis erwies sich für die Lacerta schreiberi als hinderlich, da insbesondere im Frühjahr die Nachtabsenkungen schwierig umzusetzen sind.
Es ist nun organisatorisch so, dass ich die Winterruhe bei den Eidechsen dann beende, wenn die Wüstentiere ihre beginnen.
Unter den o. a. Bedingungen haben wir seit 2009 regelmäßige Nachzuchten.
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| Bilder Lacerta schreiberi.pdf | 348.36 KB |